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Ich bin mehr als meine Noten!

Wie ein Vision Board das Selbstbild von Kindern stärkt

Vision Boards können das Selbstbild von Kindern auf eine besonders greifbare Weise stärken: Sie machen sichtbar, was ein Kind in sich wahrnimmt, was ihm wichtig ist und wohin es sich entwickeln möchte. Gerade weil Selbstbild nicht nur im Denken, sondern auch in Bildern, Gefühlen und inneren Vorstellungen entsteht, bietet das Vision Board einen konkreten Zugang. Es lenkt den Blick weg von Defiziten, Vergleichen und äusseren Bewertungen – hin zu Stärken, Wünschen, Werten und kleinen nächsten Schritten.

Was ist ein Vision Board?

Ein Vision Board ist eine Collage aus Bildern, Wörtern, Farben, Symbolen, Zeichnungen oder kurzen Sätzen. Es zeigt, was einem Kind wichtig ist, was es ausmacht, was ihm Kraft gibt und was es sich für die nächste Zeit wünscht.
Für Kinder sollte ein Vision Board kein Leistungsplan sein. Es geht nicht darum, möglichst grosse Ziele zu setzen oder Erwartungen zu erfüllen. Es geht darum, dass ein Kind sich selbst besser kennenlernt. Ein Vision Board kann Kindern zeigen:

Du hast Stärken.
Du darfst Wünsche haben.
Du darfst unsicher sein.
Du darfst Unterstützung brauchen.
Du darfst wachsen.

So wird ein Vision Board zu einem einfachen, kreativen Werkzeug, um das Selbstbild zu stärken.

Woher kommt die Idee – und was sagt die Wissenschaft?

Vision Boards haben nicht den einen Ursprung. Sie verbinden kreative Collagearbeit, Visualisierung, Zielarbeit, Coaching, Pädagogik und Selbstreflexion. Bekannt wurde die Idee vor allem im Selbsthilfe- und Coachingbereich, wo Menschen mit Bildern und Worten innere Wünsche oder Zukunftsbilder sichtbar machen.

Wichtig ist dabei: Ein Vision Board ist keine „Wunschmaschine“. Es reicht nicht, etwas aufzukleben und fest daran zu glauben. Wissenschaftlich interessant ist vor allem der Prozess dahinter: Ein Kind denkt über sich nach, erkennt eigene Stärken, formuliert Wünsche, benennt mögliche Hindernisse und überlegt kleine, machbare Schritte.

In der Psychologie gibt es das Konzept der „möglichen Selbstbilder“. Damit sind Vorstellungen davon gemeint, wer wir werden könnten, was wir uns wünschen oder wovor wir uns sorgen. Solche inneren Bilder können Motivation unterstützen – besonders dann, wenn sie realistisch begleitet werden.

Auch die Forschung zu Zielen zeigt: Konkrete, erreichbare Schritte sind hilfreicher als sehr allgemeine Vorsätze. Für Kinder heisst das nicht: „Du musst dir grosse Ziele setzen.“ Sinnvoller sind kleine Schritte wie: „Ich frage um Hilfe, wenn ich nicht weiterkomme“ oder „Ich melde mich einmal, wenn ich eine Idee habe.“

Hilfreich ist auch die WOOP-Methode. WOOP (aus dem Englischen) steht für:

Wunsch (Wish): Was wünsche ich mir?
Ergebnis (Outcome): Wie würde ich mich fühlen, wenn es gelingt?
Hindernis (Obstacle): Was könnte schwierig werden?
Plan (Plan): Was mache ich dann?

So bleibt das Vision Board nicht nur eine schöne Collage, sondern wird zu einer Orientierung für den Alltag.

Warum Vision Boards zum Selbstbild passen

Kinder vergleichen sich früh mit anderen: in der Schule, im Sport, in der Familie, im Freundeskreis und in digitalen Medien. Dabei kann schnell der Eindruck entstehen: Andere sind besser, schöner, mutiger oder beliebter.
Ein Vision Board lenkt den Blick zurück zum Kind selbst. Nicht im Sinne von Selbstoptimierung, sondern im Sinne von Selbstwahrnehmung.

Es zeigt:
Ich bin mehr als meine Leistung.
Ich bin mehr als mein Aussehen.
Ich bin mehr als ein Fehler.
Ich bin mehr als das, was andere über mich sagen.
Ich habe Stärken, Wünsche, Gefühle und Möglichkeiten.

Gerade für Kinder, die sich häufig abwerten oder wenig über eigene Stärken sprechen, kann das wertvoll sein. In unseren Workshops wurde sichtbar, dass viele Kinder ihr Selbstbild anfangs stark mit äusseren Dingen wie Spiegel, Kamera, Aussehen oder „hübsch/hässlich“ verbanden. Nach den Workshops nutzten sie häufiger Begriffe wie Gedanken, Gefühle, Herz, Mut und Selbstvertrauen. Das Selbstbild wurde also stärker als inneres Erleben verstanden.

Fazit

Ein Vision Board ist mehr als Basteln. Richtig begleitet, kann es Kindern helfen, ihr Selbstbild bewusster wahrzunehmen. Es macht sichtbar, was im Alltag oft verborgen bleibt: Stärken, Wünsche, Werte, Unsicherheiten, Unterstützung und nächste Schritte.

Entscheidend ist nicht das Aufkleben von Bildern, sondern das Gespräch darüber: Was macht mich aus? Was wünsche ich mir? Was könnte schwierig werden? Wer kann mir helfen? Was ist mein nächster kleiner Schritt?
So verstanden passt das Vision Board sehr gut zum Thema Selbstbild. Es hilft Kindern, sich nicht nur über Aussehen, Leistung oder Rückmeldungen anderer zu definieren. Es eröffnet einen Raum für eine stärkende Botschaft:

Ich bin mehr als ein Fehler.
Ich bin mehr als eine Note.
Ich bin mehr als ein Vergleich.
Ich habe Stärken.
Ich darf Wünsche haben.
Ich darf Unterstützung brauchen.
Und ich kann Schritt für Schritt wachsen.

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